Frühe Kulturen bis zur Kolonialzeit

Vase mit Jaguar (Museo Nacional)

Der Landstreifen, der Mexiko mit Kolumbien verbindet, war nicht nur in geografischer Hinsicht eine Brücke. Es fand auch ein kultureller Austausch statt.
 
Die ersten Entdecker konnten trockenen Fußes über die heutige Beringstraße von Asien nach Alaska wandern. Der Meeresspiegel lag durch das gebundene Eis der letzten Eiszeit etwa hundert Meter tiefer. So zogen schon etwa 12`000 bis 8`000 Jahre vor Christus Jäger und Sammler durch das heutige Costa Rica. Auch später zogen viele Volksgruppen über diese Landenge und einige wurden ansässig.
 
Die dichten, grünen Regenwälder des östlichen Teils der Landbrücke erstrecken sich von Mexiko bis nach Kolumbien und weiter bis Brasilien. Die Bewohner dieser Regenwälder am Atlantischen Ozean standen sich in ihrer Lebensform ziemlich nahe, neben der Jagd und dem Sammeln entwickelte sich eine einfache Landwirtschaft.
Die trockenen Gebiete und Hochtäler am Pazifischen Ozean ermöglichten Wege und Handel. So entstanden auf dieser Seite der Landbrücke Mittelamerikas reiche indigene Kulturen.
 
Die Chorotega siedelten im zentralen Nicaragua und um die Halbinsel Nicoya in Costa Rica. Die Chorotega hatten eine eigene Sprache, welche in einigen Gebieten von Südmexiko, Westnicaragua und dem nördlichen Costa Rica gesprochen wurde und zur Otomangue-Sprachfamilie zählt.
 
Chibcha-Stämme drangen vom Süden her bis zum Nicaragua See vor und beeinflussten die damaligen Bewohner. Chibcha wurde im größten Teil von Costa Rica und Panama gesprochen. Die Sprache hat bis heute in Dialekten überdauert (Guaymí, Boruca, Bribri, Cabécar, Teribe, Maléku). Zu den Namen muss man bemerken, dass sie in der Regel von den spanischen Kolonisatoren stammen, zumeist nach einem Kaziken oder speziellen Stamm. 

 

Es wurde emsig Handel betrieben. Goldfiguren aus Panama und Kolumbien gelangen in die Mayastädte und Stätten in Mexiko. Maya-Keramik wurde von den Chorotega importiert und gegen in Costa Rica hergestellte Tongefäße getauscht. Die indigenen Völker von Panama betrieben Handel bis hinunter nach Ecuador.
 
Bei den höher entwickelten Völkern Mittelamerikas lag trotz verschiedener Sprachen und Einflüssen aus dem Norden und Süden eine gewisse kulturelle und künstlerische Übereinstimmung vor. Gemeinsam war das Interesse für die Herstellung von Keramik. Geschickt in der Formgebung, sicher in der Technik und fantasievoll in der Verzierung. Zahlreiche Stücke in Museen zeugen von ihrer Fertigkeit und Fantasie.

 

Vase mit Vogel (Museo Nacional)

Chorotega
Das einflussreichste und entwickeltste Volk in Costa Rica waren die Chorotega. 
Wahrscheinlich Nachfahren der Olmeken aus Südmexiko, von wo sie flohen, um der Sklaverei zu entkommen. In Costa Rica siedelten sie in der Gegend um die Halbinsel Nicoya. Die Bräuche, Sitten und Götter der Chorotega wurden aus Mexiko und Guatemala beeinflusst aber es zeigen sich auch Einflüsse aus dem fernen Kolumbien. Sie betrieben Landwirtschaft mit gemeinsam bestelltem Land, auf welchem Mais, Bohnen, Kakao und Früchte reiften. Die Dörfer mit zentralem Marktplatz bestanden aus mit Schilfrohr gedeckten Langhäusern in denen ganze Clans zusammenlebten. 

Neben aufwendigen Jadearbeiten entstanden auch kunstvoll verzierte und bemalte Keramikgefäße, welche vor allem von Frauen hergestellt wurden. 
Die Männer waren militärisch organisiert um ihre Gebiete zu schützen und Sklaven zu fangen, welche bei religiösen Feiern den Göttern geopfert wurden. Ähnlich wie in anderen Kulturen aus dieser Zeit in Zentralamerika wurden Schamanismus, Fruchtbarkeitsriten und rituelle Tänze praktiziert.
 
1523, bei der Ankunft der spanischen Konquistadoren unter Dávila (Ávila) hieß der indianische Führer Nicoya. Nach im wurden Halbinsel und Stadt benannt. Es gibt keine Aufzeichnungen über bewaffneten Widerstand der Nicoya (Chorotega) gegen die Invasoren. Über 6`000 wurden gegen eine Zahlung von fast 14`000 Goldpesos getauft. Durch Krankheiten und Gewalt der spanischen Kolonisatoren wurde der größte Teil dieses indigenen Volkes ausgelöscht.

          

Totenmaske (Museo Nacional)

Chibcha

Chibcha-Stämme drangen vom Süden her aus dem nördlichen Andenraum bis zum Nicaragua See vor, wo sie auf Chorotega, Niquirano und Conchal trafen.

Sie lebten in wehrhaften Dörfern und waren ständig in Kämpfe mit umliegenden Stämmen verwickelt. Die zahlreichen Kämpfe boten Gelegenheit Gefangene zu machen, um sie als Sklaven einzusetzen oder den Göttern zu opfern.

   

Die Chipcha fertigten kunstvolle Figuren aus Gold mit Darstellung von Tieren, Menschen und Göttern. Vor allem in der südwestlichen Region von Costa Rica fand man zahlreiche Figuren aus Gold, welche denen der Chipcha in Kolumbien sehr ähnlich sind. Zeugen dieser Fertigkeit lassen sich in Museen bestaunen.

Die Sprache der meisten indigenen Volksgruppen von Costa Rica haben ihren Ursprung in der Sprachfamilie Chipcha, darunter Guaymí, Boruca, Bribri, Cabécar, Teribe und Maléku.

         

Die Bewohner des südlichen Pazifikbereiches von Costa Rica werden der Chiriquí Kultur zugeordnet, welche ein großer Teil des südwestlichen Costa Ricas und westlichen Panamas umfasste. Sie sind auch Urheber des größten Rätsels der Vergangenheit von Costa Rica, den mysteriösen Steinkugeln. Im südlichen Pazifikbereich von Costa Rica, vor allem im Diquís Delta und auf der kleinen Insel Caño wurden zahlreiche Steinkugeln von wenigen Zentimetern bis über zwei Meter Durchmesser gefunden, welche Anlass zur Spekulation gaben und geben. Bisher ist nur eins sicher; die Steinkugeln wurden von Menschenhand gemacht.

       

Die indigenen Gruppen im Tieflandregenwald an der atlantischen Küste waren überwiegend Jäger und Fischer, welche auch Yucca und Kürbisse anbauten. Das höchste Ansehen besaßen Krieger. Zahlreiche indigene Gruppen wie die Tariaca, Pococí, Suerre und Terbi bevölkerten die heutige Provinz Limón. Auch Miskito und Sumo besiedelten als Halbnomaden die Gegend um Barra del Colorado, Tortuguero und Parismina.

 

Im zentralen Hochland besaßen die Corobicí das höchste Ansehen. Bauern und Jäger, die in Stämmen lebten und sich in der Goldschmiedekunst auszeichneten. Erbauer des präkolumbianischen Städtchens Guayabo am Fuße des Vulkan Turrialba mit seinen fruchtbaren Hängen. Das wichtige kulturelle, politische und religiöse Zentrum wurde ab etwa 1000 vor unserer Zeitrechnung besiedelt. Aus unerklärlichen Gründen wurde das Städtchen, mit gepflasterten Straßen, Treppen, Zisternen, Skulpturen und Felszeichnungen um etwa 1400 nach Christus aufgegeben.

 

Museo Nacional de Costa Rica

Die Fotos auf dieser Seite entstanden in und um das Museo Nacional de Costa Rica in San José. Im Museum befinden sich zahlreiche weitere Informationen zur Geschichte des Landes. www.museocostarica.go.cr

 

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